TEIL 1: VOLLZOGEN AM 25. SEPTEMBER 2021
Femizide sind nur die Spitze eines gesellschaftlichen Problems, das zahlreiche andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt mit einschließt. 26 Mal wurde in Südtirol zwischen 1992 und 2021 eine Frau getötet aus dem simplen Grund, dass sie in Beziehung mit einem Mann ist oder war.
Vor diesem Hintergrund wurden am 25. September 2021 50 weiße Stühle in der Mitte des Waltherplatzes platziert. Der Stuhl ist Platzhalter für die Opfer, er ist aber auch Ausdruck eines wachsenden Widerwillens in der Gesellschaft, jegliche Form der geschlechtsbasierten Gewalt wörtlich „auf sich sitzen zu lassen“.
Weiß ist die Farbe der Unschuld, aber auch jene der Unsterblichkeit und Unendlichkeit. Wir vergessen nicht! Erst, wenn erinnert wird, wenn wachgerüttelt und hingezeigt und aufmerksam gemacht wird, kann langfristig eine gesellschaftliche Veränderung passieren – und dass diese über kurz oder lang erfolgen muss, daran besteht kein Zweifel.
Einige Stühle sind mit Namen versehen und damit den Femizidopfern gewidmet, während andere Botschaften, Forderungen und Zitate tragen. Wir brauchen eine feministische Politik, um diesem gesellschaftlichen Problem Einhalt gebieten zu können. Wir müssen Bewusstsein und Unabhängigkeit schaffen, Polizei und Justiz schulen, Gewalt gegen Frauen im Internet richtig verfolgen. Es braucht mehr Therapieangebote und Wohnungsmöglichkeiten, die Rechte von Minderheiten müssen gestärkt werden. Wie viele Frauenmorde müssen noch ausgeübt werden, um die Durchsetzung dieser Forderungen zu erreichen?
Die Anordnung der Stühle folgte keinem klar erkennbaren Muster, viel eher waren sie in einem gleichmäßigen Abstand willkürlich über den Platz verteilt. Dieser Anordnung lag der Gedanke zugrunde, dass auch Gewaltstrukturen nicht symmetrisch verlaufen, sondern verschiedenste gesellschaftliche Bereiche durchwachsen. Wachsen sollte dabei die Installation: Einzelpersonen, Vereine und Organisationen wurden dazu aufgefordert, einen eigenen Stuhl mitzubringen und dazuzustellen. Nur durch eine breite gesellschaftliche Partizipation können ungewünschte Strukturen beseitigt und zum Einsturz gebracht werden.
Die Besuchenden wurden zur Interaktion mit der Installation animiert. Sie wanderten stumm durch die Reihen, lasen die Botschaften, setzten sich hin, tauschten sich aus, fotografierten und luden die Fotos über den Hashtag (#onremembrance) ins Netz. Die Interaktion mit der Installation riss die Besuchenden aus der Passivität heraus und machte sie ein Stück weit zu Teilen davon, zu MittäterInnern und MitkämpferInnen gleichermaßen. Sie versinnbildlichte dann etwas, was die österreichische Frauenministerin Johanna Dohnal einmal treffend formuliert hatte: „Die Vision des Feminismus ist keine weibliche, sondern eine menschliche Zukunft.“

TEIL 2: VOM 25. NOVEMBER 2021 BIS 8. MÄRZ 2022
Für diesen Teil der Projektbeschreibung habe ich ein separates Dokument erstellt („Paket für Gemeinden“). Dieses wird den Südtiroler Gemeinden in der nächsten Woche ausgehändigt.
Zusätzlich zu den Projekten mit den Gemeinden werden Südtiroler Schulen angeschrieben. Ich werde Workshops zum Thema „Gewalt an Frauen und Mädchen und Gewaltprävention“ anbieten und hierfür die Stuhlinstallation einbeziehen.

Weiterführung von OnRemebnrance ist die Wanderausstellung mit Aktionen „Feminismus tut uns allen gut!“ Beschreibung untenstehend: Bewusstseinsbildung für Geschlechtergleichberechtigung

Wir haben ein Problem. Unsere Gesellschaft hat ein Problem, denn Frauen leben gefährlich. Egal wie alt, egal woher, egal wie sie aussehen, egal wie sie ticken, egal was sie tun oder nicht tun. Auch 2021, auch in Südtirol. (Manifest Frauenmarsch – Donne in Marcia)

Die Teilnahme hunderter Menschen jeglichen Geschlechts und Alters, aus unterschiedlichen politischen, religiösen und ethnischen Gruppen am Action Day Frauenmarsch – Donne in Marcia am 25. September hat einmal mehr gezeigt, dass die Südtiroler Gesellschaft nach Veränderung schreit. Diese Veränderung muss langfristig auf unterschiedlichen Ebenen geschehen. Eine davon ist die Ebene der Gemeinden, die sich gegen Gewalt an Frauen positionieren und mit der Aktion ein klares Zeichen setzen sollen.
Für unsere Töchter, Mütter, Großmütter, Tanten, Freundinnen und Schwestern!
Und für unsere Väter, Großväter, Brüder, Freunde, Onkel und Söhne!
Weil alle davon profitieren!

Unser Ziel
Jenseits von Partikularinteressen, Protagonismen und Spaltungen zielen wir darauf ab, feministische Anliegen durch konkrete Maßnahmen voranzutreiben. Es geht darum, eine gesellschaftliche Veränderung anzustreben und Diskriminierung, Benachteiligung und verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Und dies kann nur gelingen, wenn wir weiterhin auf Ungerechtigkeiten in Alltag, Gesundheitswesen, Kultur, Politik, Gesetzgebung, Vertretung und Mediendarstellung aufmerksam machen, sensibilisieren, hinschauen, hinhören, aufzeigen.

Vorschlag für Maßnahmen
Die Stuhlinstallation „On Remembrance“ wurde von der Künstlerin Laura Volgger für den Action Day „Frauenmarsch – Donne in Marcia“ konzipiert und wir möchten, dass diese nun bis zum 8. März 2022 durch Südtirol kursiert, bevor sie zugunsten der Frauenhausdienste Südtirol versteigert wird. Wir laden Südtiroler Gemeinden dazu ein, ein konkretes Projekt / eine Veranstaltung im Ortsteil zu organisieren, um damit die Aufstellung der Installation in der eigenen Gemeinde zu begleiten, und damit ein sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu setzen.
Mögliche Projekte können sein: Jugendtreff, öffentliches Diskussionsforum, Lesung, Ausstellung, Theaterprojekt, Konzert, …
Am 25. November wird die Gemeinde Bozen die Veranstaltung „Frauen im Jazz – Stoppt die Gewalt“ im Theater Cristallo eröffnen und die Installation „On Remembrance“ wird vor dem Theater ausgestellt. Am selben Tag werden 2 Stühle im Sitzungssaal des Bozner Stadtrats aufgestellt.

Ab dem 26. November sind die anderen Bezirke der Hauptstadt oder andere Gemeinden an der Reihe. Jeder Gemeinde werden die Stühle für zwei bis drei Wochen zur Verfügung gestellt, um ihr eigenes Programm zu organisieren, bevor „On Remembrance“ zur nächsten Gemeinde weiterzieht. Die Reihenfolge wird direkt mit den interessierten Gemeinden vereinbart.
Ablauf
1. Die Gemeinde trägt sich in die Doodle-Liste mit einer Kontaktmöglichkeit der für den Transport der Installation zuständigen Person. Diese Person kann von der nächsten Gemeinde für die Übergabe kontaktiert werden.
2. Der Transport der Installation von einer Gemeinde zur nächsten wird von den jeweiligen Gemeinden organisiert.
3. Haftung / Verantwortung für die Stühle übernimmt die jeweilige Gemeinde.
4. Der Termin der Veranstaltung wird auch dem Orga-Team zu Kommunikationszwecken im Südtiroler Netzwerk weitergeleitet.
5. Infomaterial, Fotos, Videos oder sonstiges Material mit Copyright-Informationen wird ebenfalls an das Orga-Team weitergeleitet.

Lagerung
Die Stühle können nach der Veranstaltung
(I) jederzeit in der Gemeinde Bozen zwischengelagert werden. Der Transport muss selbst organisiert werden.
(II) an einem öffentlich sichtbaren Platz in der Gemeinde als Mahnmal installiert werden.

Rolle des Orga-Teams Frauenmarsch – Donne in Marcia
Wir als Orga-Team stehen zur Seite, wenn es darum geht, Expert*innen aus verschiedenen Bereichen zu kontaktieren, zu vernetzen oder für Austausch zu sorgen. Wir sind unter der E-Mail [email protected] erreichbar.
Die gesammelten Forderungen können in unserem Manifest (dt / it / lad) eingesehen werden unter der Facebookseite „Frauenmarsch.Donneinmarcia“.
Für Ideen, Anregungen und Impulse zur Platzierung des Mahnmals im öffentlichen Raum oder für einen Austausch am Veranstaltungstag ist die Künstlerin der Installation erreichbar unter: [email protected] (Laura Volgger).

Eine Bitte
Als Orga-Team Frauenmarsch – Donne in Marcia sind wir nicht-institutionell und nicht parteipolitisch ausgerichtet. Eine Vernetzung, ein Austausch und eine Unterstützung der Institutionen, die sich konkret der Unterstützung jener Frauen und Mädchen widmen, die Gewalt erfahren haben, ist unser Anliegen. Insofern rufen wir zu einer Spendenaktion im Rahmen der Veranstaltung auf, um die Südtiroler Frauenhäuser und Zentren gegen Gewalt an Frauen zu unterstützen.
Die Spende kann auf das Human-Rights-Konto mit dem Betreff „Frauenhausdienste Südtirol“ erfolgen:

Adresse: c/o Centro per la cultura via Cavour 1, 39013 Meran
Steuernr.: 94079830315

Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung: [email protected]

Ein solidarischer Gruß,
Frauenmarsch – Donne in marcia
Orga-Team